Projekt Prof. Dr. Jörg Kilian

Prof. Dr. Jörg Kilian:
 

Wortschatz, Semantik und soziale Herkunft

Soziolinguistische und sprachdidaktische Untersuchungen zu einem bildungspolitischen Diskurs

In soziolinguistischen Arbeiten aus den 1960er und 1970er Jahren sind zu Korrelationen zwischen sozialer Herkunft, Sprache (Sprachgebrauch, Sprachkompetenz) und Bildung(serfolg) zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und Ergebnisse zusammengetragen worden. Deren wissenschaftliche Rezeption führte über die Kritik an Erhebungsmethoden und über die kontroverse Diskussion der Bedeutung der Ergebnisse für die Linguistik und die Sprachdidaktik weit hinaus in die Gesellschaft, bis hin zu konkreten Ansätzen der „kompensatorischen Spracherziehung“ an Schulen. Die soziolinguistischen Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen Sozialstatus und Sprachgebrauch sowie die Ansätze zum Nachweis oder zur Widerlegung des Wirkens einer „Sprachbarriere“ wie auch deren Ergebnisse verloren nicht zuletzt wegen der Fehlwirkungen der „kompensatorischen Spracherziehung“ seit Beginn der 1980er Jahre an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit.

Erst als zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Zusammenhang mit den Ergebnissen der ersten PISA-Studien der Begriff der „sozialen Herkunft“ wieder stärker auch mit dem sprachlichen Wissen und Können, darüber hinaus auch mit der sprachlichen Bildung korreliert wurde, rückte die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Sprache und Sozialschicht bzw. sozialem Milieu wieder in den Fokus der Sprachdidaktik und Bildungspolitik, weniger indes auch der Linguistik. Vor dem Hintergrund aktueller Konzepte wie dem der „Bildungssprache“ und dem der „Schulsprache“, die eine Verwandtschaft mit dem „elaborierten Code“ früherer soziolinguistischer Ansätze wie auch mit der „Cognitive Academic Language Proficiency (CALP)“ aufweisen, aber auch vor dem Hintergrund der Befunde aktueller Schulleistungsstudien und Sprachstandserhebungen (z.B. PISA, DESI) gewinnt die Frage nach einem Zusammenhang zwischen individueller lexikalisch-semantischer Kompetenz von Schülerinnen und Schülern, sozialer Herkunft und Bildungserfolg erneut an Bedeutung.

Weitere Informationen unter: https://www.germanistik.uni-kiel.de/de/lehrbereiche/didaktik-der-deutschen-sprache/forschung/sprachdidaktik-sprachdiagnostik-und-sprachfoerderung-im-bereich-201ewortschatz-und-semantik201c-1

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